
Samuel Küppers mit seiner Mutter Marion und seinem neuen Adaptivbike
Was ist ein Adaptivbike?
Samuel fährt gerne Fahrrad, so wie alle Jugendlichen seines Alters. Also etwas ganz Alltägliches, wenn seine Beine nicht gelähmt wären und er nicht auf einen Rollstuhl angewiesen wäre. Während nichtbehinderte Kinder, Jugendliche und Erwachsene beim Fahrrad fahren kräftig mit den Füßen (lat.: "pes, pedis") in die "Pedale" treten können, um sich fortzubewegen, muss man sich bei Rollifahrern etwas anderes einfallen lassen. Genau das haben pfiffige Techniker getan: Sie haben die Tretkurbel nach oben verlegt, so dass z.B. Querschnittsgelähmte nun mit der Hand (engl. "hand") kurbeln können. So ist das “Bike“ (deutsch: Fahrrad) ein Vorsatzfahrrad, das an fast jeden modernen Rollstuhl angeklemmt werden kann. Eine noch sportlichere Variante ist, das Samuel die großen Reifen ca. 20 cm nach hinten versetzen kann. Eine ausgereifte Version von einem "Handbike", so wie Samuel es besitzt, hat eine 7-Gang-Nabenschaltung, die auch beim Stillstand des Gefährts betätigt werden kann; der Schalthebel befindet sich zwischen den Kurbeln in Handnähe. Das Handbike hat auch eine Trommelbremse, die durch Rückwärtsdrehen der Antriebskurbeln betätigt wird; dadurch können beim Bremsen beide Hände an den Handgriffen bleiben. Die zweite Bremse, eine normale Felgenbremse, kann auch als Feststellbremse benutzt werden. Gelenkt wird das Bike durch Drehen der Handkurbeln. Durch den Anbau des einrädrigen Bikes wird durch einen speziellen Mechanismus aus dem vierrädrigen Rollstuhl ein Dreirad (also eigentlich:" trike") mit allen Vor- und Nachteilen: Besonders in Kurven muss Samuel gehörig aufpassen, dass er nicht umkippt. Natürlich ist ein Fahrradcomputer an Bord; so kann Samuel immer sehen, welche Entfernung er gerade, insgesamt und in welcher Zeit zurückgelegt hat.
Rückstrahler, Beleuchtung etc. machen aus dem Handbike ein verkehrstüchtiges Fahrzeug.
Fazit: Wir sind froh, dass Samuel seinen jugendlichen Bewegungsdrang ausleben kann. Auch Radtouren, größere an den Rhein wie auch kleinere zum Eiscafé, sind uns durch das "Handbike" wieder möglich geworden."

Maria Draser ist stolz auf ihr Renn-Handbike
Rennbike:
„Das Liege- oder Rennbike liegt ca. 5-8 cm sehr knapp über dem Boden. Man braucht keinen Rollstuhl mehr.“ Das mache auch den günstigen Schwerpunkt aus. Mit bis zu 27 Gängen sei es schnell und durch die günstigere und variable Sitzhaltung wesentlich windschnittiger. Ob der Sportler / die Sportlerin liegt oder sitzt, hänge von der Art der Behinderung ab. „Auf Steigungen kommt man damit wesentlich besser hoch als mit dem Adaptivbike“, ist die Erfahrung von Maria. Den Tempounterschied schätze sie auf ca. 9 km/h. Ein Grund dafür sei, dass der
Rollstuhl entfalle und das Liegebike eine wesentlich höhere Stabilität aufweise..
Das Liege-Handbike oder Rennbike sei für den Leistungssport gedacht, das Adaptivbike, mit dem Sportler bei diesen Rennen meist beginnen, auch sehr gut für die Freizeit zu verwenden. „Wenn ich zum Beispiel mit Freunden eine gemütliche Fahrradtour mache und wir anschließend irgendwo zusammen einkehren.“ Maria ist ihren ersten Marathon 2001 in Köln gefahren, damals mit dem Adaptivbike in der Zeit von 2 Std. 12 Min. „Im letzten Jahr probierte ich es mit dem Liege-Handbike und schaffte die Strecke von 42,195 km. in 2 Std.11 Min..“
Die normale Geschwindigkeit für Handbiker ist etwa 15 km/h, geübte Fahrer erreichen mit getunten und sicherheitsoptimierten Geräten über 25 km/h. Die EHC-Spitzenfahrer sind in der Lage, auf ebener windloser Strecke über fünf Stunden ein Mittel über 30 km/h einzuhalten. Breitensportler absolvieren ein Trainingspensum von 30 bis 150 km pro Woche, die Spitzenwerte liegen jenseits der 500 km. Gängigste Wettkampfstreckenlängen für Handbiker sind 20 bis 50 km. Die 100 km Strecke zum Beispiel in München ist für manche noch eine große Herausforderung. „Maria Draser aus Langenfeld ist vergangenes Jahr als erste behinderte Frau diese 100 km-Strecke gefahren“, berichtet Bernhard Weik. Dass der NHC jetzt auch beim 4. cSc (capp Sport cup) mit ihm zusammen arbeite, mache ihn froh und glücklich.
Alle wollen so schnell werden wie die Nr. 423 Marc Verhaert
